strada in dissesto: und wieder: Ein Russe in Latium

wir haben es wieder getan! Unser russisches Dreirad namens Mischa durfte wieder südlichen Staub schlucken.


Immer wieder schön: der Bolsena - See


Grotte di Castro


ziemlich steil geht es nach Grotte di Castro hoch wenn man den alten Esel - und Pferdeweg nimmt. Immerhin ist der besser in Schuss als so manche Landstraße


kleiner  Pfad zu geheimnisvoller Quelle


Ortseingang von Montefiascone


auf dem Weg nach Onano


Onano: unten wohnt das Volk, oben in mächtigen Kastellen die Wohlhabenden
 


Zitat aus Wikipedia:

Onano ist berühmt für seine Linsensorte, die nur im Gebiet von Onano angebaut wird und früher an den Hof des Papstes geliefert wurde. Die Lenticchie di Onano wurden von Slow Food in die Arche des Geschmacks aufgenommen. Im August findet die Sagra delle Lenticchie, das Linsenfest, statt.

Leider war kein Geschäft offen als wir diese Linsen kaufen wollten. Beim Bauern nahe unserer Ferienwohnung gibts aber auch welche, und wie letztes Mal haben wir uns auch jetzt wieder gut bevorratet.


Sorano


Ein Ausflug zum Lago di Vico: dieser Vulkan - See liegt schon ziemlich nahe Rom und ist ca. 100.000 Jahre alt, bereits die Etrusker haben ein Entwässerungstunnel gebaut um die fruchtbaren Ufer nutzen zu können. Das funktioniert bis heute. 


Landschaft nahe Pitigliano: im Hintergrund die Berge um den Monte Amiata, den unser Mischa auch erklommen hat. Mit etwas über 1700 Metern ist dieser ehemalige Vulkan der höchste Berg Mittelitaliens. Heiße Quellen speisen ein Geothermiekraftwerk und einige Quellen können auch müde schmerzende Gelenke wieder munter machen


Straße nach Torre Alfina. Wir passierten dabei die Stadt Aquapendente: Dort gibt es eine Straße "Via Caduti sul Lavoro"  , sie ist wohl denjenigen gewidmet die sich totgeschuftet haben.


Torre Alfina


Torre Alfina gehört nicht zu Unrecht zur "Gemeinschaft der schönsten Dörfer Italiens"


Auf der Suche nach der Römerstraße: eigentlich ist mir die Lage seit Jahren bekannt und ich weiß wie ich hinkomme, jetzt ist sie aber völlig zugewachsen und schlimmer noch, ein Bauernhof ist wieder bewohnt und etliche wüst aussehende Köter fühlten sich beunruhigt und schnappten nach meinen Beinen. Die mögen wohl keine Russentreiber.


In der Nähe des Monte Amiata. Am Berg selbst waren wir zu beschäftigt zum Fotografieren, außerdem verlaufen 90% der Strecke im Wald.


In Dunarobba dösen seit 300.000 Jahren mumifizierte Sequoia - Baumriesen vor sich hin. Sie wurden von Schlamm begraben und zu Lignit konserviert. Bei der Lehmgewinnung für Ziegelherstellung stieß man auf die Riesen und nahm das Holz/Lignit/Xylit als Brennstoff. Mittlerweile ist der Fundort geschützt und ein Museum, welches leider nur von 10:00h - 13:00h und dann ab 16:00 h geöffnet ist. Wir waren um 12:45h dort ... und mussten weiterziehen. Wir haben uns die alte Stadt Todi als neues Ziel auserkoren. Das Schild "Bodenwelle" in Verbindung mit dem Hinweis "strada in dissesto" ist allgegenwärtig und weist auf den besch.....enen Straßenzustand hin..


Der Weg vom Bolsenasee über Dunarobba gehört zu den schönsten Touren die ich jemals gefahren bin. Es geht ins Tibertal hinunter, und drüben schlängeln sich kleinste Sträßchen durchs Gebirge. Hier ein Blick auf den Tiber - Stausee Lago di Corbara rechts im Hintergrund.


Todi


Von Todi ging es am Lago di Corbara entlang in Richtung Lubriano.


Lubriano liegt in unmittelbarer Nähe von Civitá di Bagnoregio, der "sterbenden Stadt". Die stirbt nur abends aus, untertags ist sie Ausflugsziel. Die Brücke erleichtert den Zugang.


Zurück am Bolsena - See


Unwegsamen Weglein durchs Unterholz kann ich selten widerstehen ...


und prompt stehe ich in einer etruskischen Familien - Grabkammer die dann später wohl Stall wurde.



In den Weinbergen geht es manchmal ganz schön steil zu - da gibts dann keine Bilder weil Anhalten mit Wieder-Anfahren verbunden wäre. Überdies fahre ich diese Wege zuerst mal bergauf - nach dem Motto: Wo der Mischa das hinauf geschafft hat, komme ich auch wieder runter.
Die Caldera von Latera hat eine kleine Überraschung für mich parat: seit Jahren weiß ich von meinen MZ - Ausflüge her, dass es da nach Schwefel stinkt. Dieses Mal bin ich der Sache nachgegangen: Es stinkt aus einem stinknormalen Straßengraben! Kochenheisses Wasser blubbert hoch.

Nahe Latera steht auch ein Geothermie - Kraftwerk. Es ist allerdings derzeit nicht in Betrieb.
Der Untergrund muss ganz nett heiß sein:  Überall im Graben blubbert es, weiße Ringlein zeigen an wo sich der Schwefelsinter ablagert.

Das Geothermiekraftwerk in Latera wurde übrigens kurz nach der Inbetriebnahme wieder stillgelegt: Wenn ich das richtig verstanden habe, fürchtet man seismische Instabilität durch die Bohrungen und durch verschobene  Wasserkreisläufe im Untergrund.

 
Probleme mit russischer Technik? Auch dieses Mal: njet.
Sonstige Erkenntnisse aus diesem Urlaub:

- meine Lieblings - Eisdiele in Orvieto gibt es nicht mehr.

- mein Lieblings - Syrup aus Amarena - Kirsche ist in Norditalien leichter zu erstehen

- wenn ein Schuhverkäufer auf dem Markt plötzlich noch während der Anprobe mitsamt seiner Ware davonrennt ist er wohl illegal und die Polizei im Anmarsch

- strada in disesto ist auf Nebenstraßen die Norm. Berufsvorschlag: Stoßdämpfer - Verkäufer


Ansonsten war da nur das Lächeln welches unser Mischa auf die Gesichter der Passanten zauberte, und sein angenehmes Bollern in den Jahrtausende alten Städten. Eingefallen ist aber immer noch nichts ...

Hier gehts zu den früheren Motorradtouren mit Mischa und davor der MZ ETZ 251